16. September 2024

Die Entwicklung der Verhaltenstherapie

Warum ist sie so eine wichtige Therapieform?

Verhaltenstherapie hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Von den Anfängen in den 1950er Jahren bis heute wurde sie ständig weiterentwickelt. Besonders die dritte Welle der Verhaltenstherapie brachte viele neue Ideen und innovative psychotherapeutische Ansätze. In diesem Beitrag erklären wir, wie sich die Verhaltenstherapie verändert hat – mit einem besonderen Blick auf die dritte Welle.

Illustration zur Entwicklung der Verhaltenstherapie – Fokus auf Verhaltenstherapie, dritte Welle der Verhaltenstherapie und innovative psychotherapeutische Ansätze.

Die Anfänge der Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapie entstand in den 1950er und 1960er Jahren. Sie war eine Antwort auf die damals weit verbreitete Psychoanalyse. Die Ursprünge liegen in der klassischen Konditionierung von Iwan Pawlow und der operanten Konditionierung von B.F. Skinner. Die erste Welle konzentrierte sich auf das sichtbare Verhalten – Gedanken spielten dabei kaum eine Rolle. Ziel war es, problematisches Verhalten durch Methoden wie Verstärkung oder schrittweise Gewöhnung zu verändern. Dabei stand nicht das Denken, sondern das sichtbare Tun im Vordergrund.

Die zweite Welle: Der Blick auf Gedanken

In den 1970er Jahren wurde die Verhaltenstherapie um eine neue Sichtweise ergänzt: Gedanken und Einstellungen wurden in die Therapie aufgenommen. Albert Ellis und Aaron T. Beck waren zwei wichtige Vertreter dieser Phase. Sie zeigten, dass Gedanken das Verhalten und die Gefühle stark beeinflussen. Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) war geboren. Sie hilft, ungünstige Gedankenmuster zu erkennen und zu ändern. Die KVT hat sich bei der Behandlung vieler psychischer Probleme – wie Depression oder Angst – als hilfreich erwiesen. Daher ist sie heute eine zentrale Methode der Verhaltenstherapie.

Die dritte Welle: Neue Wege in der Therapie

Ab den 1990er Jahren kam ein neuer Ansatz: die dritte Welle der Verhaltenstherapie. Anders als die KVT legt sie den Fokus nicht nur auf den Inhalt von Gedanken, sondern auch auf den Umgang mit ihnen. Menschen sollen lernen, Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen. Statt zu kämpfen, geht es darum, anzunehmen. Dabei sind Achtsamkeit und Werte besonders wichtig.

Zu den wichtigsten innovativen psychotherapeutischen Ansätzen gehören:

  • Schematherapie: Die Schematherapie hilft Menschen mit festgefahrenen Verhaltensmustern, die meist aus der Kindheit stammen. Mithilfe von emotionsfokussierten Methoden lernen sie, alte Denk- und Beziehungsmuster zu erkennen und schrittweise zu verändern.
  • CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy): CBASP wurde für Menschen mit chronischer Depression entwickelt. Es verbindet kognitive Methoden mit Beziehungsarbeit, um Betroffene dabei zu unterstützen, soziale Erfahrungen bewusst zu gestalten und daraus zu lernen.
  • Berner Modell: Das Berner Modell kombiniert klassische Verhaltenstherapie mit systemischer Arbeit. Es betont die aktive Rolle des Patienten und fördert Selbstreflexion, klare Ziele und persönliche Verantwortung im Veränderungsprozess.
  • Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT): Hier geht es darum, Gedanken zu akzeptieren statt zu verändern. Man richtet das Handeln an den eigenen Werten aus.
  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Diese Methode wurde für Menschen mit starken Stimmungsschwankungen entwickelt. Sie verbindet Achtsamkeit mit Techniken der klassischen Verhaltenstherapie.
Warum ist das wichtig?

Die dritte Welle der Verhaltenstherapie entstand unter anderem, weil viele Menschen mit dem Versuch scheitern, ihre Gedanken dauerhaft zu kontrollieren und zu ändern. Deshalb setzen neue Therapien auf Akzeptanz und Achtsamkeit. Wer Gefühle zulassen kann, ohne sie zu bewerten, erlebt weniger Druck.

Zudem spielt der Blick auf persönliche Werte eine große Rolle. Es geht nicht nur darum, Symptome zu verringern. Vielmehr soll das Leben nach dem ausgerichtet werden, was einem wirklich wichtig ist. Die Therapie wird so nicht nur ein Mittel gegen Beschwerden, sondern ein Weg zu einem bewussteren Leben.

Infografik zur Entwicklung der Verhaltenstherapie und innovative psychotherapeutische Ansätze – inklusive ACT, DBT, MBCT, Schematherapie, CBASP, Berner Modell.

Fazit

Verhaltenstherapie hat sich über die Jahre stark weiterentwickelt. Aus der einfachen Verhaltensänderung wurde eine Methode, die Gedanken, Gefühle und persönliche Ziele mit einbezieht. Besonders die dritte Welle der Verhaltenstherapie zeigt neue Wege. Mit innovativen psychotherapeutischen Ansätzen wie ACT, DBT und MBCT erhalten Betroffene Werkzeuge, um besser mit sich selbst umzugehen.

Gerade in einer hektischen Welt voller Druck bietet Verhaltenstherapie eine Hilfe, um sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen – auf ein Leben mit Sinn, Achtsamkeit und Mitgefühl.

Haben Sie Fragen oder eigene Erfahrungen zur Verhaltenstherapie? Schreiben Sie uns gerne einen Kommentar oder stellen Sie Ihre Fragen – wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

Herzliche Grüße – Ihr PCM-Team!

Quellen:

- Kahl, K., Winter, L., & Schweiger, U. (2012). The third wave of cognitive behavioural Therapies: What is new and what is effective? Current Opinion in Psychiatry, 25 (6), 522-528. https://research.uni-luebeck.de/en/publications/the-third-wave-of-cognitive-behavioural-therapies-what-is-new-and

- Öst, L.-G. (2008). Efficacy of the third wave of behavioral therapies: A systematic review and meta-analysis. Behaviour Research and Therapy, 46 (3), 296-321. https://www.academia.edu/116620733/Efficacy_of_the_third_wave_of_behavioral_therapies_A_systematic_review_and_meta_analysis

- Uliaszek, A. A., Al-Dajani, N., Ferguson, A., & Segal, Z. (n.d.). Third-wave psychotherapies. Oxford Textbook of Psychopathology (3rd ed.). Oxford University Press. https://global.oup.com/academic/product/oxford-textbook-of-psychotherapy-9780198520658?cc=de&lang=en&

- Böge, K., Catena, D., & Hahn, E. (2022). Achtsamkeitsbasierte Interventionen für Menschen mit psychotischen Störungen: Ein Überblick über den Forschungsstand zur Wirksamkeit und Implikationen für die klinische Praxis. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 72 (4), 149-158. https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/44872/2022_Boege_etal.pdf?sequence=1&isAllowed=y

- Sedlacek, F., & Peukert, S. (2021). Allgemeine Wirksamkeit der Strategischen Jugendlichentherapie. Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen, 7 (1), 65-76. https://psychosozial-verlag.de/programm/4000/4133/35025-detail

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Patrick Pfarrer
M.Sc. Psychologie / MAS Psychotherapie
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