
Für wen ist dieser Text? Dieser Überblick richtet sich an Interessierte, Patient:innen und Fachleute. Er erklärt verständlich, was eine Zwangsstörung ist, wie sich Zwangsgedanken und Zwangshandlungen äußern, welche Ursachen Zwangsgedanken haben können – und wie Psychotherapie konkret hilft.
Fast jede Person kennt das von sich. Der Herd wird kontrolliert, bevor das Haus verlassen wird, um einen Brand zu verhindern; die Unterlagen für das Meeting am nächsten Tag werden wiederholt auf Fehler kontrolliert, oder ein Dokument wird erneut erstellt, da es zu viele Fehler enthält. Bei all diesen Verhaltensweisen sprechen wir in der Psychologie von so genannten Ritualen.
Jeder Mensch hat in seinem bisherigen Leben bereits Erfahrung mit diesen Phänomenen gemacht und wird auch weiterhin Erfahrungen damit sammeln. Zum Leben gehört es dazu, eine gewisse Kontrolle und Regelmäßigkeit einzuhalten. In angemessener Ausprägung hilft uns diese Kontrolle, Schäden zu vermeiden und unseren Alltag zu bewältigen. Nehmen diese Rituale jedoch überhand, so können Sie den Alltag deutlich einschränken.
Ab wann wird ein Ritual zu einem Zwang?
Der Übergang von Ritualen zu Zwängen ist meist fließend. Zunächst wird der Herd nur einmal, bevor man das Haus verlässt, kontrolliert, aus Angst davor, doch einen Fehler gemacht zu haben, werden daraus zwei, drei, vier und viele weitere Kontrollen. Auch nach mehrmaliger Überprüfung kommt dann plötzlich auf der Autofahrt zur Arbeit der Gedanke auf, dass man den Herd doch angelassen haben könnte. Damit Beruhigung einkehren kann, muss erneut der Weg nach Hause eingeschlagen werden, um den Herd zu kontrollieren. Es geht wichtige Lebenszeit verloren, die eigentlich anderweitig genutzt werden könnte und müsste.

Als Zwang wird in der Psychologie ein Verhalten bezeichnet, bei dem eine Person wiederholt und unfreiwillig bestimmte Gedanken oder Handlungen erlebt, die sie als unkontrollierbar empfindet. Diese Gedanken und Handlungen machen meist keinen Sinn und führen auf Dauer zu erheblichem Leiden. Häufig geht den Gedanken und Handlungen eine große Anspannung oder Angst voraus, für die sich die Person Linderung wünscht. Zwangshandlungen werden typischerweise als Versuch verstanden, diese Anspannung zu reduzieren oder einer befürchteten negativen Konsequenz vorzubeugen.
Obwohl die betroffene Person häufig erkennt, dass diese Zwänge übertrieben oder irrational sind, fühlt sie sich dennoch gezwungen, ihnen nachzugeben, um vorübergehende Erleichterung zu finden. Je öfter diesem Drang nachgegeben wird, desto stärker werden die Zwänge. Sie nehmen viel Zeit in Anspruch und beeinträchtigen das Privat- und Berufsleben.
Von einer Zwangsstörung spricht man in Fachkreisen grundsätzlich erst dann, wenn die Person die vorhandenen Zwänge als belastend erlebt oder durch die Zwänge stark im alltäglichen Leben beeinträchtigt ist.
Eine Zwangsstörung kann entweder nur mit Zwangsgedanken, nur mit Zwangshandlungen oder in einer Mischform aus beiden auftreten. Die Gedanken und Handlungen wiederholen sich immer wieder und werden von den Personen als unangenehm empfunden. Sie werden als eigene Gedanken/Handlungen erkannt und mindestens ein Gedanke oder eine Handlung wird als übertrieben und unsinnig angesehen.
Im Normalfall versuchen Patienten erfolglos, Widerstand gegen die Gedanken und Handlungen zu leisten. Dennoch gelingt es ihnen nicht, die unangenehmen Rituale zu unterbrechen. Dieser wiederholte innere Kampf ist sehr anstrengend und kostet die Betroffenen viel Kraft. Versuche, den Zwängen nicht nachzugeben, werden meist abgebrochen, da die Anspannung durch das Unterlassen der Zwänge sukzessive ansteigt und daraus häufig ebenfalls eine ausgeprägte Angst resultiert. Erst wenn das Zwangsritual ausgeübt wird, sinken die Anspannung und Angst wieder ab.
Durch die ständige Beschäftigung mit den Gedanken und Handlungen entstehen deutliche soziale und individuelle Leistungseinbußen im Leben der Personen. Häufig beklagen Betroffene den hohen Zeitaufwand, der durch die Rituale entsteht. Aufgrund der teilweise skurrilen Verhaltensweisen und mitunter gewaltbesetzten oder sexualisierten Gedanken schämen sich die Betroffenen, weshalb sie ihre Erkrankung oftmals verschweigen. Sie haben Angst, als seltsam oder gefährlich abgestempelt zu werden. Häufig gelingt es den Betroffenen, die Zwänge zunächst im öffentlichen Leben zu unterdrücken. Bei einem langen, chronifizierten Verlauf weiten sich die Zwänge jedoch ebenfalls auf das Sozial- und Berufsleben aus. Viele Betroffene ziehen sich deshalb weitestgehend aus dem sozialen Leben zurück und vermeiden, wenn möglich berufliche Aktivitäten, bei denen sie von anderen Personen beobachtet werden können.
Wenn Sie im Großraum München nach Unterstützung suchen, recherchieren viele zunächst Begriffe wie „Psychotherapie München“ oder „Psychotherapie in der Nähe“; bei uns sind Sie an der richtigen Adresse. Kontaktieren Sie uns für zeitnahe Hilfe.